Zielgruppe

Mit den hier gezeigten Bildern wende ich mich hauptsächlich an sogenannte "Praktizierende des tibetischen Buddhismus", und innerhalb dieser Gruppe an diejenigen, die den Schulen der Nyingma und Kagyu angehören. Darüber hinaus dürften Teile dieser Bildsammlung auch für die Wissenschaftlichen Kreise, die sich mit den der Sammlung zugrundeliegenden Texten befassen und für Tibetologen eine interessante Ergänzung sein.

Hintergrund

Den ersten Kontakt zum Tibetischen Buddhismus fand ich vor einigen Jahren bei einem Wochenende mit Sogyal Rinpoche in München. Sein Buch vom Leben und Sterben war gerade erschienen und stand im Mittelpunkt der Belehrungen. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt den Inhaltlichen Darlegungen nicht immer folgen konnte weil mir die Interpretation vieler Begriffe fehlte, stellte sich doch ein bis dahin unbekanntes "Gefühl" bei mir ein, das mit den Worten " angekommen zu sein" nur beschreiben kann. Dieses "Gefühl" hat mich bis heute nicht dauerhaft verlassen und ich bin das geworden, was man einen "Praktizierenden Buddhisten" nennt. Seit einigen Jahren bin ich Schüler von H.H. C.R. Lama Rinpoche und habe u.a. von ihm verschiedene Übertragungen erhalten.

Problemstellung

Beim Studium der Texte, hauptsächlich bei Visualisierungsanweisungen kam mir die "Fremde Kultur" besonders undurchdringlich und unüberschaubar vor. Wenn auch viele Texte aus dem Tibetischen in die verschiedensten europäischen Sprachen überstzt sind, so fehlt es doch oft an originalgetreuen Bildern, die die entsprechenden Texte verdeutlichen. Und dies umsomehr, da doch gerade diese Bilder, also Visualisierungshilfen, ein wesentlicher Bestandteil der Praxistexte sind. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich alte tibetische Texte anschaut, die häufig von entsprechenden Bildern durchzogen sind.

Erste Spuren

In einem Buch von Detlev L. Lauf fand ich dann den ersten Hinweis auf sog. Tsaglis. Dies sind im Original kleine Thankas, die auf visueller Ebene einen Praxistext mit den entsprechenden Abbildungen unterstützen. Mehr oder weniger ausführlich stellen sie die zu visualisierenden Gottheiten einer Praxis in einer Serie von Bildern da. Lauf macht dies an Hand eines Zhi-Thro Textes in seinem Buch "Geheimlehren Tibetischer Totenbücher" (Aurum Verlag) deutlich.

Indien/Nepal 97/98

Die ersten Fotoserien fand ich im Herbst 1997 in Boudhanat/Nepal. Joscha, ein russischer Mönch der seit einigen Jahren in indischen und nepalesischen Klöstern lebte ließ seine Verbindungen spielen und brachte eines Tages ein Bündel ausgeliehender Negative mit, die sich unter anderem als komplette Serien einer Zhi-Thro Praxis aus den Linien von Karma Lingpa und Pegyal Lingpa entpuppten.

Rinchen Terzod

In der gleichen Zeit hörte ich davon, daß es zum gesamten Rinchen Terzod ebenfalls Bilder geben sollte. Niemand wußte so genau wo, aber ich traf mehrere Leute, die davon gehört hatten, daß diese Bilder in einem tibetischen Kloster verkauft würden. Mehrere versuche der Annäherung gingen ins Leere, bis ich 1998 zum Nyingma Mönlam nach Bodhgaya kam und Kunga Lody hinter seinem Bildertisch antraf.

Kunga Lody

Kunga Lody lebt mit seiner Familie in einer tibetischen Colony in Bir (ca.4 Busstunden östlich von Dharamsala / Indien) und fotografiert seit seiner Flucht aus Tibet nach Indien. Während seine Brüder auch nach der Flucht aus Tibet Mönche blieben und heute in Klöstern in der Schweiz und USA leben, heiratete er. Den Lebensunterhalt für sich und seine große Familie bestreitet er weitgehend durch den Verkauf von Bildern. Wir trafen uns also 1998 und ich fragte auch ihn nach dem Rinchen Terzod. Wie sich herausstellte hatte er einige Zeit zuvor bei einer Rinchen Terzod Einwehung, die in seinem Heimatort gegeben wurde, Fotos von den Fotos gemacht, die die zu dieser Einweihung angereisten Leute mitgebracht hatten. Ca.150 Filme waren in seinem Besitz und die Idee, einen Computer zu kaufen in den diese von einem seiner älteren Söhne gescannt werden sollten.

Gemeinsame Überlegungen

Seit einigen Jahren arbeite ich auf verschiedenen Gebieten mit dem PC und bei unserem ersten Treffen in seinem Zelt wurde schnell deutlich, daß die Idee, die Negative zu digitalisieren zwar gut, aber ohne die entsprechende Ausrüstung und Kenntnis nicht durchzuführen war. Allein die entstehen Datenmengen die sich aus einer solchen Arbeit ergeben würden, wären imens. (ca.65GB) Wenn ich auch zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Vorstellungen von dem Arbeitsaufwand hatte und kein Geld dies alles zu finanzieren, so folgte ich dennoch einem spontanen Impuls und bot Ihm meine Hilfe an. Kunga Lody war nicht abgeneigt, wollte sich aber zuvor mit seinen Brüdern besprechen. Wir verabredeten uns für den kommenden Mai in Bir um dann weiterzusehen.

Vertrauen

Mitte Juni 98 kam ich dann mit 150 Filmen in Deutschland an. Geplant war, sie bis Oktober zu scannen und dann an Kunga zurückzusenden. Daraus wurde nichts. Es wurde Dezember bis alle Bilder gescannt waren und ich sie Ihm zurückgeben konnte. Danke für dieses Vertrauen.

Nacharbeit

Im Dezember 98 verbrachte ich dann drei Wochen mit Kunga über den gescannten Bildern am Lapetop. Da er bei seinen Aufnahmen einen Katalog angelegt hatte, konnten wir nun die entsprechenden Bilder zuordnen. Diesen ursprünglich in Ume geschriebenen Katalog habe ich dann in Daramshala in Ucen übertragen lassen und Hilke hat ihn in die Wylie - Umschrift übertragen.

Motivation und Ergebnis

Was also vor 2 Jahren mit einer spontanen Entscheidung und lediglich mit der Motivation "es zu tun" begann, habe ich in den vergangenen Monaten mit diese Internet - Version fertiggestellt. Sie ist vollständig in dem Sinne, als daß alle vorhandenen Bilder gezeigt werden. Jedoch ist die gesamte Arbeit weit von verbindlichen oder gesicherten Aussagen die einen wissenschaftlichen Character haben entfernt. Da ich weder die tibetische, noch im ausreichendem Maße die englische Sprache behersche, kann ich weder Aussagen über die Richtigkeit der zugeordneten Bilder noch über deren Inhalt machen. Ich verstehe diese Arbeit als Materialsammlung für die Annäherung an die Ikonography des tibetischen Buddhismus und nicht als Aussage darüber.